Eine Nebenwirkung melden? Das ist ganz einfach. Nebenwirkungen – oder auch im weiteren Sinn „unerwünschte Ereignisse“ – zu erkennen ist nicht ganz so trivial. Genauso wenig wie die Arzneimittelanwendung selbst. Wir haben Beispiele (manche aus dem Alltag bei elbPV) mitgebracht, an denen sich die verschiedensten zu meldenden Ereignisse erkennen lassen.
Hätten Sie es gewusst?
„Seit der Anwendung von Simvastatin schmerzen meine Waden.“ -> klassische Nebenwirkung: „schmerzende Waden“.
„Meine Freundin hat statt des Magenmittels Buscopan 2 Tabletten Bupropion eingenommen. Sie ist übrigens im zweiten Monat schwanger.“ -> Bupropion sollte nur in Ausnahmefällen in der Schwangerschaft angewendet werden: „Exposition während der Schwangerschaft“. Außerdem: Verwechselung eines Arzneimittels!
„Die Tabletten tun mir sehr gut. In letzter Zeit fühle ich mich jedoch zunehmend depressiv. Mein Job macht mir keinen Spaß und mit meinem Mann streite ich nur. Kann ich andere Tabletten haben?“ -> Auf Nachfrage kommt heraus, dass die eingenommenen Tabletten bei Depression indiziert sind. Das Ereignis ist also: „reduzierte Wirksamkeit“.
„Die Mittelohrentzündung hat mir echt den Rest gegeben. Endlich verschrieb mir der Arzt die antibiotische Lösung. Ich habe drei Tage gewartet und ganz viel davon ins Ohr gemacht. Doch es wurde nicht besser! Ich möchte lieber Tabletten haben.“ -> Die verschriebene Lösung war zum Einnehmen bestimmt, nicht zur Anwendung im Ohr: „Medikationsfehler: Anwendung im Ohr“.
Merke: Die korrekte Arzneimittelanwendung ist nicht immer einfach. Verschiedene Applikationsformen können einen großen Nutzen haben (z.B. dermale Lösungen zur Umgehung des First-Pass-Effektes), aber genauso gut zu Fragen und Fehlern führen (z.B. „Wann kann ich die Lösung abwaschen? Kann ich den Wirkstoff durch Körperkontakt auf andere übertragen?“). Der Bericht über alle möglichen Nebenwirkungen, Anwendungsfehler, Expositionen in Schwangerschaft und Stillzeit, Off-Label-Use usw. sind entscheidend für das Sicherheitsprofil eines Arzneimittels. Und das ist am Ende das Wichtigste: Arzneimittel müssen sicher sein!
